Ich habe unten stehenden Antrag beim StuPa eingereicht und würde ihn auch gerne im Fachschaftsrat besprechen, damit die Fachschaft sich auch dazu äußern kann.
Ersti-Broschüre der Studierendenschaft
Antragstellend: Daniel Nico Hunds, daniel_nico.hunds@smail.th-koeln.de
Beschluss
Das Studierendenparlament der Studierendenschaft der TH Köln beschließt:
- Wir stellen fest: Die Ersti-Broschüre der TH Köln ("Startklar", März 2025) ist ungeeignet, neue Studierende als gleichberechtigte Mitglieder der Hochschulgemeinschaft willkommen zu heißen. Die Broschüre ist in der Sprache einer PR-Abteilung verfasst, stellt Studierende als Kunden dar, denen ein Produkt erklärt wird, stellt die Rolle der Fachschaften unvollständig und irreführend dar und erwähnt das Wort "Studierendenschaft" kein einziges Mal.
- Wir fordern die TH Köln auf, die Broschüre in dieser Form nicht mehr zu verbreiten. Wird eine neue Broschüre erstellt, empfehlen wir, sich an den einschlägigen Gesetzestexten sowie den offiziellen Dokumenten der Studierendenschaft und ihrer Gliederungen zu orientieren.
- Wir beauftragen den AStA, ein Konzept für eine eigene Ersti-Broschüre der Studierendenschaft zu entwickeln. Das Konzept soll folgende Elemente enthalten:
3.1. Eine modulare Struktur: Eine zentrale Broschüre der Studierendenschaft (AStA, StuPa, FSVK) wird durch Einlagen oder Ergänzungen der jeweiligen Fachschaften ergänzt, damit sowohl gesamtstudentische als auch fachspezifische Informationen enthalten sind.
3.2. Praktische Tipps von Studierenden für Studierende — zu Themen wie Wohnen, Studienfinanzierung, Prüfungsrecht und Hochschulalltag, formuliert auf Augenhöhe.
3.3. Politisch einordnende Inhalte, die zur Diskussion einladen: zum Beispiel zur BAföG-Reform, zum Semesterticket oder zu Mitgestaltungsmöglichkeiten im Studium.
3.4. Eine klare, vollständige Darstellung der demokratischen Strukturen der Studierendenschaft — StuPa, AStA, FSVK und Fachschaften — und konkrete Hinweise, wie neue Studierende daran teilhaben können.
Begründung
Die TH Köln gibt seit März 2025 unter dem Titel "Startklar" eine Broschüre für Erstsemester heraus. Ihr grundlegendes Problem ist ein Widerspruch: Eine Hochschule, die demokratische Mitbestimmung und kritisches Denken zu ihren Zielen zählt, stellt sich in dieser Broschüre als Dienstleisterin dar — und neue Studierende als Kunden, denen das Angebot erklärt werden muss.
Das zeigt sich in der Sprache. Die Broschüre spricht durchgehend mit "wir" für die Hochschule und "Sie" für Studierende. Im Abschnitt "Unsere Kultur" heißt es: "Wir entwickeln über problembasiertes und projektorientiertes Lernen bereits während des Studiums für Sie Szenarien" und: "Dafür fordern wir eine größere Eigenverantwortung von Ihnen im Lernprozess ein." Studierende erscheinen hier nicht als Gestaltende, sondern als Empfangende eines vorbereiteten Programms.
Das zeigt sich auch im Inhalt. Auf zwei vollen DIN-A4-Seiten werden Serviceeinrichtungen der Hochschule vorgestellt. Der Begriff "Studierendenschaft" fällt in der gesamten Broschüre nicht. Die studentische Selbstverwaltung taucht nur im AStA-Abschnitt auf — das Studierendenparlament in einem Nebensatz. Was diese Strukturen sind, wer ihnen angehört und wie man daran teilnimmt, bleibt vollständig unerklärt.
Die Fachschaften werden ausschließlich als Beratungsservice dargestellt: Stundenplanerstellung, Prüfungsordnung, Sprechstunden. Dass alle Studierenden kraft Immatrikulation Mitglieder sind und kandidieren können, erscheint als "Übrigens" — als Randnotiz statt als zentrales Merkmal demokratischer Selbstverwaltung. Das ist keine Kleinigkeit — es verzerrt grundlegend, was unter Fachschaften verstanden wird.
Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Broschüre: Sowohl Fachschaften als auch AStA werden kurz strukturell eingeordnet — um dann sofort als Serviceeinrichtungen beschrieben zu werden. Was dabei systematisch fehlt, ist der Gedanke, dass Studierende diese Strukturen nicht nur nutzen, sondern gestalten und kontrollieren.
Eine Broschüre, die neue Studierende in eine demokratisch verfasste Hochschule einführen soll, muss erklären, welche Rechte sie haben und wie sie diese wahrnehmen können. "Startklar" tut das nicht. Die Studierendenschaft setzt dem eine eigene Broschüre entgegen — eine, die neue Mitstudierende nicht als Kunden anspricht, sondern als Mitglieder: einer Fachschaft, einer Studierendenschaft, einer Hochschule, die sie mitgestalten können. Diese Broschüre soll praktische Orientierung bieten, die demokratischen Strukturen verständlich erklären und zur Auseinandersetzung mit hochschulpolitischen Fragen einladen — von Studienfinanzierung bis Mitbestimmung. Kurz: Sie soll das einlösen, was "Startklar" verspricht, aber nicht hält — einen echten Start an der TH Köln.